Einsatz Athen, April 2016

An einem Wochenende im April haben wir (Miriam, Nicole und Tanja) drei Tage in Athen verbracht, um unseren Bruder und Freund Alex zu besuchen, der seit vergangenen November in Griechenland im Einsatz ist. Nach seinem viermonatigen Einsatz auf Samos ist er nun seit ein paar Wochen in Athen als Freiwilliger unterwegs.

Um unseren Aufenthalt optimal zu nutzen, haben wir Schönes mit Nützlichem verbunden. Gemeinsam suchten wir zwei besetzte Gebäude auf, die ehemalige Universität und ein Schulhaus, in denen nun hunderte von geflüchteten Menschen Obdach finden. Aus der Schweiz haben wir viele Sonnenhütte, Seifenblasen und Kreide für die Kids, Socken und Schuhe sowie Kinderbuggys mitgebracht. Nach einer Bedarfsaufnahme mit den Helfern vor Ort machten wir uns daran, fehlende Sachen für die Menschen zu besorgen. Wir plünderten einen Shop und deckten uns mit Latexhandschuhen, Windeln, Feuchttücher, Binden, Handseifen, Waschmitteln, Reinigungsmitteln, Schwämmen, Abwaschlumpen, Zucker, Tee, Orangensaft, Biskuits und Milch ein. Auf dem Markt kauften wir zusätzlich neue Unterwäsche für Männer, Frauen und Kinder und brachten anschliessend alles dorthin, wo es dringend gebraucht wird.

Gestern hat Alex noch 3.2 kg Paracetamol, 1 kg Ibuprofen, 12 Flaschen Fiebermedi für Kids und 8 Fieberthermometer besorgt und abgegeben. In den nächsten Tagen wird er den Bedarf in weiteren besetzten Gebäuden ermitteln und dringend benötigte Güter einkaufen.

13000162_1636573043329786_1685152638045515900_n

13012642_1636572929996464_6256073774737349302_n

13043792_1636572889996468_4034562923155666009_n

13062315_1636572763329814_4967464770987736745_n

13043508_1636574353329655_4144898519982926015_n

Einsatz Idomeni, Bericht von Alexandra, März 2016

Seit über einer Woche bin ich nun wieder in Idomeni, an der griechisch mazedonischen Grenze, um mit aiddeliverymission.org Menschen auf der Flucht zu unterstützen. Ich war bereits im Januar hier für 4 Wochen. Wir sind hierhergekommen mit der Idee 4000 Essen zu kochen, kochen aber mittlerweile 8000 Mahlzeiten pro Tag – das einzige warme Essen, dass die Menschen kriegen. Alleine im Camp in Idomeni hat es im Moment über 14‘000 Menschen. Das Camp ist eigentlich für 2000 Menschen ausge- richtet. Über die Hälfte der Mensch sind Kinder und Frauen. Sie leben im besten Fall in Zelten, im schlimmsten Fall draussen und das bei 5 Grad in der Nacht! Letzte Nacht hat es in Strömen geregnet und nun ist alles auch noch nass. Es fehlt an allem, Essen, Zelte, Schlafsäcke und Kleider. Die hygienische Situation ist katastrophal und führt zu Durchfallerkrankungen und Krätze.

Wir sind mit unserem Projekt irgendwo mittendrin und versuchen zu machen was wir können. Wir kochen 8000 Mahlzeiten die wir an 3 Orten verteilen, es gibt ein 24/7 Tee und Infozelt und wir verteilen Informationen und Kleider/Zelte und daneben versuchen wir auch noch politisch zu agieren. Siehe auch dieser WOZ Artikel.

Ich schwanke oft zwischen kaum auszuhalten vor Wut über die Politik und Ngos die kaum was tun und zu wissen dass jede kleine Tat doch etwas hilft. Diese Menschen sind in Europa gestrandet und fliehen vor Krieg, Armut und Perspektivenlosigkeit und nun müssen sie all dies wieder erleben, weil wir unsere Grenzen nicht öffnen wollen!

Einsatz Idomeni

Einsatz Idomeni, Bericht von Michel, Februar 2016

Eine Gruppe acht Köpfige Gruppe von Volunteers ist am Mittwochabend in Griechenland angekommen.

Die erste Nacht verbrachten wir in einem Volunteerhouse in einem Dorf in der Nähe von Idomeni. In diesem Einfamilienhaus sind aber ca. 50 Menschen untergebracht, so zogen wir am nächsten Tag nach Polykastro um. Von hier haben wir 20 min zum Idomenicamp und 3 min zu der Tankstelle. Die Refugees werden aus Athen zuerst zur Tankstelle und dann in das Camp gebracht. Mazedonien hat einen Zaun gespannt und da Zäune spannen anscheinend Spass macht, spannen sie noch weitere.

Nach dem wir uns in unserer Unterkunft (privat finanziert) eingerichtet haben, begannen wir uns mit weiteren Volunteers zu connecten. In Idomeni ist das Camp an einer Autobahnraststätte und ist wie ein Notfallcamp (the Gas Station) welches als Pufferzone gilt. Die Informationen sind unzuverlässig und sehr wechselhaft. Im Grunde läuft nicht viel, Landwirte streiken und blockieren die Strassen und auch in Lesbos scheint es sehr ruhig zu sein. Letzte Nacht kamen bei der Gas Station 3 Busse vorbei. Die Refugees wurden schnell über die Grenze gebracht und wurden von den mazedonischen Polizisten nicht wirklich freundlich empfangen. Im Allgemeinen ist die Lage nicht wirklich übersichtlich, doch da nicht viel passiert haben wir im Moment eine ruhige Zeit.

Morgen macht sich ein Teil unserer Gruppe auf den Weg zurück in die Schweiz. Der andere Teil wird jedoch vorläufig hier bleiben und weiter aktive Flüchtlingshilfe leisten. Nach einigen ruhigen Tagen werden für die nächsten Tage wieder mehr Refugees erwartet. Danke an alle die mitgekommen sind und alle die sich irgendwie mit dieser Thematik auseinandersetzen.

   id3

Einsatz Slowenien, Bericht von Onur, November 2015

Wir machten uns auf den Weg nach Slowenien. Vor Ort wurde direkt ein „Zug“ Flüchtlinge ins Camp geleitet. Mit grossem Glück hatten wir Zutritt ins Nomansland und versuchten dort zu helfen, wo wir konnten.

Noch jetzt, wieder zu Hause angekommen, fehlen uns die Worte. Wie sollen wir den Menschen hier näherbringen, was wir dort sahen? Menschen werden wie Dreck behandelt. Keiner weiss, was mit ihnen geschehen wird, die Angst ist ihnen ins Gesicht geschrieben. Niemand wagt etwas zu sagen, aus Angst, dass es gegen ihn verwendet werden könnte. Die Menschen müssen in Eiseskälte am Boden schlafen, sitzen, warten und das stundenlang. Ihnen werden warme Kleider und Schuhe verweigert, obwohl die Lager voll sind, einfach weil nach Vorschriften die Ausgabestelle geschlossen ist. Den Eltern wird die Versorgung ihrer Kinder nahezu unmöglich gemacht oder stundenlang hinaus gezögert. Es sind noch etliche schreckliche Ereignisse, die in unseren Köpfen herumschwirren.

I02A0271

Ein Tag im Team Samos, Bericht von Franz, November 2016

Die Nacht war wieder einmal relativ kalt im ungeheizten Zimmer des Volunteers House im Stadtzentrum von Samos. Dank meinem Schlafsack und einer zusätzlichen Decke war es doch einigermassen kuschelig und die warme Dusche bringt mich sofort auf Betriebstemperatur. Die Handwäsche vom Vorabend hängt noch auf der Loggia, ist aber noch nicht trocken – und auch die Schuhe noch nicht ganz. Also rein in einen neuen Wäschesatz und die Ersatzschuhe. Fünf Minuten später bin ich schon unten an der Strandpromenade. Ein herrlicher Morgen nach dem gestrigen Regen, nicht allzu kalt und für einmal ohne Wind. Ich geniesse den Blick über die Bucht von Samos und die ersten wärmenden Sonnenstrahlen in meinem Rücken. Ich mag die frühen Morgenstunden und schlendere gemütlich der Promenade entlang zum Station Café. Bei einem Morgenkaffe und etwas Patisserie tausche ich die letzten Neuigkeiten mit Melbo, der Besitzerin, aus. Sie ist schon online und gibt mir die Wetteraussichten durch. Ich checke kurz meine Mails und etwa eine halbe Stunde später gesellt sich auch mein Zimmerkollege Manuel dazu. Die übrigen Gruppenmitglieder übernachten meist in einem der Vans, die wir vor unserer Küche stationiert haben, oder in unserem Materiallager gleich nebenan. Um neun Uhr erscheint dann auch schon Kathrin mit dem Van für den Einkauf beim Gemüsehändler gleich neben dem Café. Kartoffeln und Zwiebeln kaufen wir – je nach Verfügbarkeit – meist für zwei Tage, das übrige jeweils frisch. Pro Tag brauchen wir ca. 50 kg Kartoffeln, 20-30 kg Zwiebeln, ca. 25 Knollen Knoblauch und 30-40kg Karotten. Dazu kommen je nach Zusammensetzung der Suppe und Angebot des Gemüsehändlers Süsskartoffeln, Lauch, Tomaten, Auberginen oder Zucchetti. Wir haben auch immer einen Vorrat an Reis, Linsen und Kichererbsen. Wir variieren jeden Tag die Geschmacksrichtung von italienischer Minestrone über schweizerische Kohl, Lauch oder Erbsensuppe zu eher orientalischer Curry-, Dahl-, reis- oder Chick Pea Soup. Heute bin ich Suppenchef, und wähle als Grundlage Kartoffeln verstärkt mit Süsskartoffeln, Karotten Kichererbsen und etwas Lauch. Wir laden alles in den Van und fahren in unsre Küche. Sie steht im Vorgarten eines Wohnhauses im Umbau, Die Besitzerin wohnt während der Zeit des Innen- ausbaus in ihrer Hauptwohnung in Athen und hat uns den eingezäunten Vorgarten zur Verfügung gestellt – samt Wasseranschluss. Die Küche steht nun schon seit gut 2 Monaten dort. Wir haben sie überdeckt – zum Teil mit Hilfe von Refugees – und ist mittlerweile mit 4 grossen Gaskochern, 4 Töpfen zwischen 40 und 120l Inhalt und einer selbst gezimmerten Spüle, Arbeitstischen, Bänken und Ablagen eingerichtet.

Beim Eintreffen mit der neuen Gemüseladung sind die übrigen Mitglieder schon mit Schälen und Schneiden der Zwiebeln beschäftigt. Der Suppenchef stellt die für die erste „Ladung“ benötigten Mengen zum Waschen, Rüsten und Schneiden bereit. Wir kochen aus praktischen Gründen in zwei Umgängen. Eine erste „Ladung“ in 3 mittelgrossen Töpfen gegen Mittag, und sobald diese bereit ist, schütten wir sie in den riesigen 120l-Topf um und bereiten dann noch einmal 3-4 Töpfe für die zweite Ladung vor.

Bei ihrer Ankunft werden die Flüchtlinge in zwei Camps eingeteilt: Direkt am Hafen bleiben die Syrer (manchmal auch Afghanen), alle anderen (Maghrebiner, Afghanen, Afrikaner usw.) müssen ins „obere“ Camp am Hang auf der anderen Seite der Bucht. Wir kochen vor allem für das „obere“ Camp, da dort nur ein Mittagsmahl ausgegeben wird.

Bei unserer Arbeit bleibt auch immer wieder Zeit für Gespräche, Besuche von anderen Volunteers oder von Refugees, die uns beim Zubereiten helfen möchten. Nach dem Mittag kommt meist auch jemand von den Médecins vorbei und liefert uns die Zahlen der von ihnen abgegebenen Mittagsmahlzeiten, damit wir einen Anhaltspunkt haben für die benötigte Abendmahlzeit. Wir gehen auch immer wieder bei den britischen Volunteers im Camp am Hafen vorbei, die die Neuankömmlinge betreuten und einkleidet und der Gruppe einheimischer Frauen, die Mahlzeiten kocht, um genauere Zahlen für die Mahlzeiten zu eruieren. In flaueren Tagen kommen vielleicht pro Tag „nur“ 150-250 neue Flüchtlinge an, an Spitzentagen 500-800. Dann wird es für die Volunteers am Hafen hektisch und sie sind dankbar, dass wir immer wieder eine Zusatzmenge einrechnen, die wir am Abend dann auch im Hafencamp ausgeben.

So gegen 16.00 Uhr ist die Suppe gekocht und es geht ans Aufräumen, Abwaschen und Putzen und Besprechen der Suppen- ausgabe. Wir verteilen die Chargen, denn alles muss gut geplant und organisiert werden, damit eine geordnete Ausgabe ohne Massenauflauf und in einer lockeren, entspannten Atmosphäre möglich. Kurz vor 18.00 brechen wir auf zur Hauptaufgabe unseres Tages.

Kurz vor 18.00 beladen wir den Transporter für die Essensausgabe im „oberen“ Camp. Die zwei grossen Suppentöpfe werden abgedeckt und versiegelt und auf die Hebebühne des Transporters getragen und verladen; ebenso zwei Tische und die einbetonierten Absperrblöcke zur Markierung der Warteschlangen. Andere Gruppenmitglieder bereiten das Ausgabematerial vor. Aus rein praktischen und Effizienz- gründen sind wir gezwungen, thermo-isolierte Styroporbecher und Plastiklöffel zu verwenden. Etwa 350 Becher werden aus den 50er Rollen ausgepackt und lose in eine mit Plastikfolie ausgelegte und desinfizierte Harasse gelegt. Bei all diesen Tätigkeiten – wie auch schon beim Rüsten, Waschen, Schneiden und Kochen – legen wir grossen Wert auf Hygiene: die Tische, Schneidbretter, Messer, Töpfe und Kellen werden immer vor Gebrauch desinfiziert, und auch wir selbst arbeiten immer mit desinfizierten Händen und/oder Plastikhandschuhen. Das Desinfektionsmittel, eine Schachtel Handschuhe, Haushaltpapier und weitere verpackte Becher als Reserve werden ebenfalls verladen. Eine weitere Gruppe steckt eine gleiche Anzahl „Abschlusseinheiten“ zusammen: eine Scheibe Brot wird auf einen Löffelstiel gesteckt und in eine ebenfalls desinfizieret Plastikkiste gelegt. Der Löffel mit der am Stiel steckenden Brotscheibe wird dann bei der Abgabe sozusagen als Deckel in den Becher gesteckt. Dazu verwenden wir aus praktischen Gründen Toastbrot – weil es schon geschnitten und auch länger haltbar ist als frisches Brot. Wir kaufen zwei- bis dreimal pro Woche riesige Mengen (etwa 1200-1500 Toastscheiben) im Cash und Carry oder bei einem Discounter. Auch hier nehmen wir natürlich einige Kartons noch verpackter Brote als Reserve mit.

Ich bin heute wieder einmal „Driver“ und „Cupholder“. Die beiden „Cops“ und „Crowd-Controller“ besteigen mit mir Führerkabine, zwei „Cupfiller, zwei „Relayers“, noch ein „Cupholder“ und je nach Grösse der Gruppe ein bis zwei „Freewheeeler“ fahren im Laderaum mit. Die Fahrt über die kurvige Strasse den Hang auf der Nordostseite der Bucht hoch dauert etwa 15 Minuten. Bei der letzten Steigung mit Haarnadelkurve im ersten Gang und der folgenden, noch engeren Kurve in der Gegenrichtung um auf die Schotterstrasse abzubiegen habe noch etwas gutzumachen von der letzten Woche, wo ich sie in der Dunkelheit eine Spur zu eng nahm und mit dem inneren Hinterrad über einen kleinen Absatz fuhr. Diesmal nehme ich sie besonders vorsichtig und hole soweit aus wie möglich, damit nicht wieder die Suppe überschwappt. Geschafft.

Etwa 200m vor dem Camp halte ich rechts an und stelle den Motor ab. Die beiden „Cops/Crowd Con- troller“ steigen und melden uns bei der im Camp stationierten Polizei an. Dann überprüfen Sie rasch, ob der Transporter wie üblich aufgestellt werden kann und beginnen sofort mit dem Organisieren der Schlange. Ich kriege von einem der beiden ein Signal mit der Taschenlampe und fahre auf den Vorplatz, wo ich den Van nach ihren Angaben einparke. Jetzt muss alles schnell gehen, damit die Leute nicht un- geduldig werden und die Crowd Controller ruhig aber bestimmt die beiden Warteschlangen formieren können – eine für die Frauen und Kinder, eine für die Männer. Wir laden sofort die Absperrblöcke, die Tische und die Kiste mit den vorbereiteten „Brotdeckel“ und die Reservebrote aus. und ziehen unsere Handschuhe an. Der „Freewheeler“ stellt unsere Musikanlage auf, und kaum fünf Minuten nach dem Einparken sind wir bereit für die Essensausgabe. Wir hatten lange an unserem System getüftelt und es ständig verbessert, so dass es jetzt von den Refugees im Grundsatz akzeptiert und befolgt wird – mit Ausnahmen natürlich; deshalb bleiben die „Crowd Controller“ während der ganzen Essensausgabe fix auf ihrem Posten und schauen zum Rechten. Die Suppentöpfe und die Becher bleiben im Inneren des Transporters. Nun gibt es zwei Ausgabeketten vom Topf zu den Refugees: für jede Kette füllt ein „Cupfiller“ die Becher und reicht sie durch die offene Ladefläche dem „Relayer“, dieser setzt den Löffel mit der Brotscheibe darauf und reicht den Becher dem „Cupholder“ weiter, der ihn dann an die Wartenden aushändigt. Der „Freewheeler“ springt überall dort ein, wo etwas zu ergänzen ist; sorgt für Bechernachschub bei den Cupfillers, steckt neue Löffeldeckel“ für die Relayers oder händigt, wenn gewünscht, den schon Bedienten eine zusätzliche Scheibe Brot aus. Ich bin heute „Cupholder“ für die Frauen/Kinder; da diese Schlange viel kürzer ist, hat mein „Relayer“ die Aufgabe, mir nur jeden zweiten Becher zu übergeben, den anderen übergibt er dem Cupholder der Männerschlange, damit diese schneller vorwärts kommt. Wir kommen langsam in den Flow, die Atmosphäre ist locker und gelöst, die Refugees und auch wir bewegen uns im Takt der Musik oder tanzen. Es reicht auch immer wieder für ein kurzes Wort oder einen Gruss. Obschon alles zügig vor sich geht, kriegen wir immer wieder ein Lächeln oder ein „Thank you“. Ich bemühe ich mich, mit jeder/jedem, den ich bediene Blickkontakt aufzunehmen und antworte mit „you’re welcome“ oder „de nada“ oder dem Daumen hoch. Viele der Refugees stammen aus dem Maghreb oder dem Congo, Mali, Sierra Leone usw., da zaubert natürlich ein „de rien“ oder ein „y a pas de quoi, madame“ oder ein „hakuna matata“ ein extra Lächeln ins Gesicht. Für die Kinder haben wir auch meist einen Schokoriegel dabei, den sie mit strahlenden Augen entgegennehmen.

Nach etwa einer halben Stunde haben wir rund 500 Mahlzeiten ausgegeben und die Schlangen haben sich aufgelöst. Da wir heute im unteren Camp erst gegen etwa 21.00 Uhr erwartet werden, haben wir es nicht eilig. Wir laden alles ein, hängen aber noch eine Weile mit den Refugees rum, lachen und schwatzen, tanzen mit und posieren natürlich endlos mit ihnen für ihre Selfies . Eine Gruppe Kinder bleibt uns auf den Fersen, wir fragen nach ihren Namen und ihrer Herkunft. Sie amüsieren sich köstlich ab unseren Versuchen, ihre Namen nachzusprechen. Nach einigen Versuchen klappt es dann doch einigermassen.

Einige neue aus unserer Crew haben das Camp noch nicht von innen gesehen. Wir gehen also hinein und werden mit Winken und Zurufen begrüsst. Trotz des abschreckenden Eindrucks von aussen (Stacheldrahtumzäunung!) sieht es recht wohn-
lich aus mit gemauerten Wohneinheiten, Licht, Aussenbereichen, mit Wäscheleinen, Treffpunkten usw. Eine Gruppe Afrikaner sitzt bei Musik in einem Kreis und einer nach dem anderen betritt den Kreis und gibt seine Tanzküste zum Besten. Winken und lautes Hallo, als wir uns nähern. Natürlich sind nun auch wir eines nach dem andern dran und werden begeistert applaudiert. Schliesslich gebe auch ich mir einen Ruck und lege mit einem „African Shuffle Dance Made in Switzerland“ los. Grosses Hallo, Jubel, Lachen und weit geöffnete Augen – so was sind sie sich von einem white guy (and an oldie, at that) nicht gewohnt.

Bald wird es Zeit für das untere Camp. Beim Transporter sehn wir noch einmal „unsere“ Kinder. Plötzlich löst sich eines der Mädchen, bedankt sich noch einmal mit einem Händedruck, zieht mich herunter und gibt mir einen Kuss auf die Wange. Ihr Bruder lässt sich nicht lumpen und ich kriege auch von ihm einen Kuss. Meiner Kollegin daneben geschieht dasselbe. Wir sind ganz gerührt und stammeln irgendetwas zum Abschied. Solche Momente sind etwas vom Berührendsten und bringen einen ins Grübeln. Warum müssen Kinder – und überhaupt Menschen – so etwas durchmachen wie diese Kinder? Warum können sie dort, wo sie herkommen, nicht einfach in Frieden, Geborgenheit und Sicherheit leben wie wir?

12316353_10201126044868698_8515559231363474586_n

12342720_10201126044548690_300974038905055557_n

12316063_10201126045028702_5924128715480448198_n